Die besonderen Herausforderungen des G8/G9-Jahrgangs

Im kommenden Schuljahr 2011/2012 werden durch die Zusammenführung zweier Jahrgänge deutlich mehr Schüler in die gymnasiale Oberstufe eintreten. Wir sind uns dieser Herausforderung bewusst und bereiten gezielt unterstützende Maßnahmen vor, um allen Schülerinnen und Schülern einen optimalen Übergang zu ermöglichen.

Dabei profitieren wir von unseren langjährigen Erfahrungen im Umgang mit unterschiedlichsten Eingangsvoraussetzungen beim Eintritt in die gymnasiale Oberstufe.

Verschiedene Arbeitsgruppen haben sich an unserer Schule ausführlich mit der Thematik G8/G9 auseinandergesetzt. Dabei lagen die Schwerpunkte jeweils auf dem Herausarbeiten möglicher Unterschiede hinsichtlich der laut Lehrplan in der Mittelstufe erreichten Kompetenzen.

 

Die dabei gewonnenen Ergebnisse in den klassischen Hauptfächern Mathematik, Deutsch und Englisch stimmen uns sehr zuversichtlich. Sie bestärken uns in der Ansicht, dass die Bildung von Mischklassen verbunden mit einer gezielten Vertiefen der entsprechenden Inhalte die beste Strategie ist, allen Schülerinnen und Schülern einen optimalen Start für das Erreichen des Abiturs zu gewährleisten.

 

Ganz im Sinne unseres Bemühens um Transparenz stellen wir Ihnen die konkreten Ergebnisse unserer Arbeitsgruppen für Ihre persönlichen Überlegungen nachfolgend zur Verfügung.

Weitere Informationen erhalten Sie von den zuständigen Abteilungsleitern Ivonne Benedict und Erwin Neugebauer.

 

Mathematik

 

  • im Wesentlichen gleiche Inhalte, teilweise vorgezogen (z. B. Teilbarkeit von 6 in 5, Winkel von 7 in 6, besonders Inhalte der 8/I in 7, Inhalte der 9 neu zugeordnet in 7 und 8, Inhalte der 10 in 9)
  • die Neuaufteilung des Stundenvolumens in der Sek.I entspricht diesen Verschiebungen
  • insgesamt Reduktion des Stundenvolumens auf 95% (621 statt 652)
  • fakultative Inhalte der bisherigen Sek.I stark reduziert und gestrichen
  • wenige (kleine) Themen, wie „Exponentialfunktion 2x " und „Summen- und Produktregel - Beschreibenden Statistik", entfallen (Themen, die bisher auch nicht in der Oberstufe zu erwarten waren)
  • Teilthemen (z.B. Ganzrationale Terme) sind bereits früher erweitert um die mathematischen Methoden (z.B. Termumformung) - das deutet auf einen stärker methodischen Ansatz in der Anwendung mathematischer Inhalte (auch fachübergreifend sinnvoll nutzbar) in der Sek.I hin
  • Hausaufgaben in sehr hohem Maße zur Festigung eingesetzt - hoher Anteil an „Eigenleistung" gefordert und Leistungsbereitschaft entwickelt

Fazit

Das Wissenspotential wird annähernd gleich sein. Festigungsphasen und intensive Übungsphasen/Anwendungsphasen sind eine sehr wichtige und eben auch zeitintensive Komponente, die im Wesentlichen das „Können" der Schüler/innen ausmachen.

Darüber hinaus werden jedoch das „neue" und jetzt bereits gewohnte Lerntempo und die entsprechende Lernorganisation den Schüler/innen entgegen kommen.

In der Oberstufe hat bisher immer das umfangreichere Arbeiten im Unterricht und die hohe Eigenverantwortung (z. B. Hausaufgaben für sich und den eigenen Lernerfolg und nicht für die Schule zu bearbeiten) im selbständigen Vor-, Mit- und Nacharbeiten von Unterrichtsinhalten zu unerwarteten Einbrüchen geführt.

Für G8 ist dies nicht zu erwarten, da deren Lernkompetenz und -bereitschaft in diese Richtung stark ausgeprägt wurde - wie in zahlreichen Gesprächen mit Eltern besonders deutlich wurde.

 

Unsere Erfahrungen im Beruflichen Gymnasium liegen in einem bereits langjährig umgesetzten 4-Stunden (4 statt 3 im Rahmen der alten VOGO und der neuen AOVO) - Konzept in der Einführungsphase im Fach Mathematik.
Mit dieser Lösung erhält jede/r Schüler/in eine zusätzliche Kompensation in den ersten 6-8 Wochen der Einführungsphase (bis zu den Herbstferien) in seiner Mathematikgruppe.

Der wesentliche Fortteil besteht darin, dass die Schüler/innen Real/G9 und nun auch G8 in gemischten Gruppen ihr inhaltliches und methodisches Wissen gemeinsam anwenden lernen. Erweiterte methodische Vorkenntnisse einer Teilgruppe fördern die Teilgruppe mit detaillierterem inhaltlichen Kenntnisstand in gegenseitiger Motivation. Außerdem können „Lücken" - die nicht selten auch durch kleine Krankphasen bzw. besondere Situationen oder Folgelücken in der Sek.I schnell entstanden sein können - in unserem Kompensationskonzept-Mathematik rechtzeitig erkannt und „gefüllt" werden. Bereits bisher haben wir in den Mathematikgruppen sehr differenzierte Kenntnissituationen vorliegen, so dass wir diesen Prozess bereits mehrfach „trainiert" haben.

Es ist anzumerken, dass die kleinen entfallenen Themen in der Sek.I für unsere Umsetzung der Kompensation in der Einführungsphase kein Problem für Schüler/innen bilden, da diese in jedem Fall Bestandteil der Kompensation sind. Diese Themen gehören bei den Realschüler/innen zum Wahlpflichtbereich und stehen uns als Vorkenntnisse nur teilweise zur Verfügung. In gemeinsamen Lerngruppen ist dieses Defizit jedoch leicht auszugleichen und für viele Schüler/innen auch eine sehr dankbare Wiederholung.

In diesem Schuljahr testen wir Ansätze des selbstverantwortlichen Lernens in der Kompensationsphase, dies wird im Laufe der Einführungsphase evaluiert und geprüft. Die Entwicklung am Kompensationskonzept im Fach Mathematik ist ein dynamischer Prozess, der die G8- Situation gut einbinden kann.

 

Deutsch

 

  • nahezu identische Inhalte in den drei Arbeitsbereichen „Sprechen und Schreiben", „Lesen und Umgang mit Texten" sowie „Reflexion über Sprache"
  • marginale Verschiebungen, d.h. vorgezogene Teilbereiche (z. B. Beschreibung von 6 in 5)
  • Erweiterung in allen Jahrgangsstufen der Sek.I um einem Arbeitsbereich „Arbeitsmethoden und Lerntechniken"
  • deutliche Hervorhebung der Entwicklung der Lesekompetenz gegenüber der bisherigen Sek.I (z. B. Lesepässe, Bibliotheksbesuche)
  • Inhalte der bisherigen 10 sind auf die 8 und 9 verteilt
  • Vertiefungsphasen sind reduziert bzw. eingespart

Fazit

Das Wissenspotential wird annähernd gleich sein. Die Methoden- und Lesekompetenz der Schüler/innen wird, bedingt durch die neue Umsetzung in der Sek.I, eine wesentlich bessere Voraussetzung für die Oberstufe liefern. Dabei ist die Kompensation in einigen Themenkomplexen bzw. -bereichen eine passende Festigung und Vertiefung.

Darüber hinaus werden jedoch das „neue" und jetzt bereits gewohnte Lerntempo und die entsprechende Lernorganisation den Schüler/innen entgegen kommen. In der Oberstufe hat bisher immer das umfangreichere Arbeiten im Unterricht und die hohe Eigenverantwortung (z. B. Hausaufgaben und Lektüre für sich und den eigenen Lernerfolg und nicht für die Schule zu bearbeiten) im selbstständigen Vor-, Mit- und Nacharbeiten von Unterrichtsinhalten zu unerwarteten Einbrüchen geführt. Für G8 ist dies nicht zu erwarten, da deren Lernkompetenz und -bereitschaft sowie insbesonders im Fach Deutsch die Stärkung der Lesekompetenz und die frühzeitige Entwicklung der Methodenkompetenz in diese Richtung stark ausgeprägt wurde - wie in zahlreichen Gesprächen mit Eltern besonders deutlich wurde.

In der bisherigen Einführungsphase mussten wir uns als gymnasiale Oberstufe intensiv mit Lerntechniken und Lernmethoden - primär im Fach Deutsch, auch vorbereitend für die fachübergreifenden Anwendung - beschäftigen und stellen häufig „Begriffs-Kenntnis" jedoch ohne „Könnensfähigkeiten" der Methoden fest. Deshalb haben wir bereits intensive Kompensationsphasen dazu erstellt und umgesetzt.
Unter Nutzung dieser und der Anpassung der o .g. Themen, Texte und Lektüren werden wir die Vertiefungsphase der G8er in der Einführungsphase mit der Entwicklung von Methoden und Techniken der Realschule und der G9er verzahnen.

Die beste Voraussetzung für die Kommunikationskompetenz sind gemischte Gruppen, die sowohl in angeleitetem als auch in eigenverantwortlichem Lernen sich gegenseitig motivieren und ergänzen. Diese Form der Zusammenarbeit stellt so wiederum eine der besten Grundlagen für den Unterricht in der Qualifikationsphase und im Abitur dar.

 

Englisch

 

  • gleiche Inhalte, teilweise vorgezogen (z. B. Verfahren der Texterschließung
  • aus 9 in 8)
  • Wortschatz formal kleiner: 700 statt 700-750
  • formal weniger lexikalische Einheiten: 600 statt 700
  • bisherige „Vorbereitung auf die Sek. II" in Form von Wiederholung in Klasse 10 entfällt
  • Bildung eines hohen Maßes an „Eigenständigkeit im Umgang mit der Fremdsprache" in Klasse 9 (entspricht der „neuen" Vorbereitung auf die Oberstufe)
  • Themen in der Textarbeit sind in die 9. Klasse und in die Einführungsphase der Oberstufe eingebunden

Fazit

Das Wissenspotential wird annähernd gleich sein. Die Anwendungsvielfalt, insbesondere die stilistischen Methoden zur Verfeinerung des sprachlichen Ausdrucks, entsteht jedoch primär, wenn die „Sprache gesprochen" wird. Festigungsphasen und intensive Übungsphasen/Anwendungsphasen sind dafür eine sehr wichtige und eben auch zeitintensive Komponente.

Darüber hinaus werden jedoch das „neue" und jetzt bereits gewohnte Lerntempo und die entsprechende Lernorganisation den Schüler/innen entgegen kommen. In der Oberstufe hat bisher immer das umfangreichere Arbeiten im Unterricht und die hohe Eigenverantwortung (z. B. Hausaufgaben für sich und den eigenen Lernerfolg und nicht für die Schule zu bearbeiten) im selbständigen Vor-, Mit- und Nacharbeiten von Unterrichtsinhalten zu unerwarteten Einbrüchen geführt. Für G8 ist dies nicht zu erwarten, da deren Lernkompetenz und -bereitschaft in diese Richtung stark ausgeprägt wurde - wie in zahlreichen Gesprächen mit Eltern besonders deutlich wurde.

Im Rahmen der AOVO haben wir als Berufliches Gymnasium Eschwege bereits in diesem Schuljahr - in einer weiteren Probephase - den Englischunterricht in der Einführungsphase von 3 auf 4 Stunden erhöht (da wir intensive Wiederholungs- und Übungsphasen besonders für die Schüler/innen mit Realschulabschluss einräumen) und damit den bis dazu erprobten Kompensationskurs im Wahlbereich abgelöst.

Mit dieser Lösung erhält jede/r Schüler/in eine zusätzliche Stunde zur Kompensation in seiner Englischgruppe. Bereits in den ersten Wochen waren die Rückmeldungen sehr positiv, die die Anwendung dieser Vorgehensweise untermauern.

Mit dieser Vorgehensweise können wir besonders in unseren gemischten Gruppen aus G9, Real und im folgenden Jahr auch G8 im Methodischen und auch teilweise im Inhaltlichen sehr gut kompensieren.

Das Kompensationskonzept für die Einführungsphase ist entwickelt und mit dem Lehrbuch, welches sich an G8 orientiert, arbeiten wir bereits im 2. Jahrgang.

 

 

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